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Maikundgebung 2026 auf dem Eisenacher Marktplatz

Unter dem Motto „Erst unsere Jobs, dann eure Profite“ stand die DGB-Kundgebung zum 1. Mai 2026 auf dem Eisenacher Markplatz
Stand der Eisenacher SPD am 1. Mai 2026 am Marktplatz
Gesellschaftliche Rahmenbedingungen verändern

Traditionell hatte der Deutsche Gewerkschaftsbund mit seinen Einzelgewerkschaften zur Maikundgebung auf dem Eisenacher Markplatz eingeladen. Viele Organisationen luden zu Informations- und Gesprächsständen ein. Die kleinsten Besucher tummelten sich auf einer Hüpfburg. Angelina Siegert unterhielt mit bester Livemusik. Etwa 200 Teilnehmer, Jung und Alt, waren bei schönstem Sonnenschein gekommen. Viele Eisenacher Familien zog es bei diesem Wetter freilich hinaus in die Natur, nutzten das verlängerte Wochenende auch zu Kurzreisen. Der 1. Mai ist inzwischen mehr ein Familientag als ein Kampftag für die Rechte der Arbeiter. Mitgliederstarke Gewerkschaften sind heute jedoch wichtiger denn je. Der 1. Mai sei der wichtigste Tag der Arbeiterbewegung, aber leider nicht sichtbar, befand einer der Redner. Man müsse sich freilich auch von alten Arbeitsweisen der Gewerkschaften trennen, veränderungsfähig werden. Der 1. Mai sei ein guter Tag, um in die Gewerkschaft einzutreten.

Strategischer Blindflug nicht auf dem Rücken der Beschäftigten

Toni Bernheiden von der IG Metall belichtete in seinem Redebeitrag die Lage vieler Industriebetriebe in der Region Eisenach. In den letzten Jahren seien 2.850 Industriearbeitsplätze in Eisenach verloren gegangen. „Wir befinden uns im Krisenmodus“, befand Toni Bernheiden. Politik und Unternehmen hätten keine Lösungen. Arbeitsplatzabbau und Lohnverzicht, überbordende unbezahlte Überstunden-Konten seien es jedenfalls nicht. Ein „strategischer Blindflug“ dürfe nicht auf den Rücken der Beschäftigen landen. Trotz eines Milliarden-Investitionspaketes liefere die Politik nicht. Die Gesellschaft befinde sich bereits mitten im „beinharten Verteilungskampf“. Eine klare Absage erteilte der Gewerkschafter jenen, die aus der Angst der Menschen ihr „braunes Süppchen“ kochen wollen.

Gemeinsame Verantwortung für den Erhalt von Arbeitsplätzen

Tina Rodolph, Staatssekretärin im Thüringer Gesundheitsministerium, beleuchtete die aktuelle Lage.

Staatssekretärin Tina Rudolph bei ihrer kämpferischen Ansprache zum Tag der Arbeit

Der 1. Mai sei ein Tag der Mut macht, gemeinsam – auch bei Gegenwind – für die wichtigen Dinge zu streiten, nicht nur auf die Arbeitswelt und das Erwerbsleben bezogen, sondern auch die große Frage dahinter, wie wir gesellschaftliche Verantwortung, Gerechtigkeit und Solidarität definieren. „Bisher ist nichts vom Himmel gefallen: Mindestlohn, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Tariftreue-Gesetz, nur einige der Errungenschaften vergangener Arbeitskämpfe gegen harte Widerstände. Aussagen, bei Einführung des Mindestlohnes breche die Wirtschaft zusammen, haben sich nicht bewahrheitet“, erklärte die in Eisenach wohnende Sozialdemokratin. Eine drohende und bereits stattfindende Debattenverschiebung gesellschaftlicher Anliegen auf individuelle Verantwortlichkeiten lehnte sie am Beispiel „Life-Style-Teilzeit“ ab. Angeblich seien alle zu viel krank, Frauen ständen wegen weniger Erwerbsteilhabe in der Kritik, ohne die Ursachen zu hinterfragen. „Dem müssen wir immer wieder kontern“, so Tina Rudolph.

Gesprächsrunde am Stand der Eisenacher SPD

Sie verwies mit Verweis auf die Losung des Tages „Erst unsere Jobs, dann eure Profite“ auf die gemeinsame Verantwortung für den Erhalt von Arbeitsplätzen und guten Beschäftigungsverhältnissen. „Wohlstand gibt es, der ist nur ungleich verteilt. Es kann nicht sein, dass in Krisen Unternehmen mit Kurzarbeitergeld und Subventionen gerettet und Risiken vergesellschaftet werden, gleichzeitig Gewinne privatisiert, pauschal Steuererhöhungen für jene ausgeschlossen werden, die diese locker entrichten könnten“, erklärte Tina Rudolph und fügte ein Beispiel aus dem Bereich Krankenversicherung hinzu: „Wer unter der der Jahresbeitragsentgeltgrenze verdient, zahlt prozentual mehr Beiträge auf sein Einkommen als jemand der darüber verdient.“

Ungleichgewicht bei Beitragszahlern

Die Ärztin Tina Rudolph ging auch auf die im Gesundheitsbereich auf dem Tisch liegenden und heiß diskutierte Sparvorschläge ein. „Wenn ca. 18 Mrd. im System fehlen, dann wäre die Alternative zu den Sparvorschlägen die Erhöhung der Beitragssätze über den Zusatzbeitrag um 1%. Da kann jeder ausrechnen, was das individuell bedeuten würde. Die wichtige Frage ist aber, wie die Einsparungen gerecht verteilt werden. Hier gibt es bisher ein Ungleichgewicht: Beitragszahler (Versicherte in der gesetzlichen Krankenversicherung) werden überproportional belastet, da sie momentan allein
12 Mrd./Jahr tragen, die nicht für die sogenannten versicherungsfremden Leistungen über den Bundeshaushalt ausgeglichen werden.“ Sie fügte hinzu: „Egal ob man das Wort Bürgerversicherung aussprechen will oder nicht, es ist nicht gerecht, dass diese 12 Mrd. im Jahr nur von uns gesetzlich Versicherten getragen werden und nicht von den Privatversicherten! Das müssen wir weiter thematisieren und dafür sorgen, dass es gerechter wird!“ 

Gute Rahmenbedingungen für junge Menschen

Tina Rudolph wandte sich an die Teilnehmer der Kundgebung. „Was wünsche ich mir für junge Menschen, die zum Beispiel heute eine Ausbildung beginnen? Wenn wir wollen, dass sie die Zukunft sind und unsere Rente verdienen, müssen wir für gute Rahmenbedingungen sorgen und sie ermutigen, ihre eigenen Kämpfe zu führen. Man merkt, öffentlicher Dienst gewinnt an Attraktivität. Das ist gut, zeigt aber auch eine tiefe Verunsicherung bezüglich anderer Branchen. Dabei wissen wir, mit Tarifbeschäftigung und starken Betriebsräten sind die Bedingungen besser. Für Arbeitnehmer UND die Wirtschaft!“ Sie führte einen Blick in die Historie an. „Die Krankenversicherung ist 1883 auch nicht aus Nächstenliebe eingeführt worden, sondern Bismarck wollte die Sozialdemokratie kleinhalten, aber, siehe da, Sozialversicherungen wurden auf einmal zum Standortfaktor in der industriellen Revolution. Arbeiter, die abgesichert und gesünder waren, haben auch der Wirtschaft gutgetan. Natürlich ging es damals um ein anderes Niveau, aber die grundsätzliche Frage ist heute die gleiche: Können wir uns den Sozialstaat nur leisten, wenn die Wirtschaft stimmt oder ist nicht vielmehr eine gewisse Absicherung und soziale Strukturen wie Kinderbetreuung die Voraussetzung, dass es der Wirtschaft gut gehen kann? Für mich trifft klar letzteres zu! Was wir uns leisten können, wird immer Verhandlungssache sein, aber da den Sozialstaat abzubauen, wo wir wissen, dass dies viel höhere Folgekosten nach sich zieht, das ist nicht nur unsolidarisch, das ist auch nicht klug! Und es ist offensichtlich gerade nötig, das immer wieder auszusprechen!!“

Staatssekretärin Tina Rudolph im Gespräch mit dem Theologen Dr. Wolfgang Schenk

An die Anwesenden gewandt, erklärte Tina Rudolph: „Danke an alle, die die Kämpfe des letzten Jahres mit ausgetragen haben, sei es der klassische Arbeitskampf oder jedes Gespräch, in dem man die Solidarität und den Sozialstaat gegen einen der aktuell zahlreichen Angriffe verteidigen musste; ich wünsche und allen viel Kraft, Motivation und Ermutigung für die Kämpfe, die im nächsten Jahr anstehen. Es werden nicht weniger.“

Sie verwies zum Abschluss auf die lange Tradition der Arbeitskämpfe in Eisenach. „Schon 1897 wurde im Automobilwerk gestreikt, weil versprochene Werkswohnungen nicht gebaut wurden. Mit Erfolg! Wenn man zusammensteht!“

Termine

Tag der Städtebauförderung

Am Samstag, dem 9. Mai 2026 werden
in der Zeit von 12 bis 14 Uhr
die zwei Teilprojekte
Barrierefreier Zugang zur Gedenkstätte Goldener Löwe und
Restaurierung des Platzes am Denkmal zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung
öffentlich vorgestellt und erläutert.
Parallel dazu werden in der Gedenkstätte Goldener Löwe kostenfreie Führungen durch die Ausstellungen angeboten.

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Reform des Sozialstaates
Diskussion mit Arbeits- und Sozialministerin Bärbel Bas

Am Samstag, dem 9. Mai 2026 um 14:30 Uhr ist Arbeits- und Sozialministerin Bärbel Bas in der Gedenkstätte Goldener Löwe zu Gast, um sich mit Mitgliedern und Gästen zur Reform des Sozialstaates auszutauschen. Staatssekretärin Tina Rudolph wird die Gesprächsrunde moderieren.


Ausstellungen
im Goldenen Löwen

Marienstraße 57, Eisenach (→Karte), geöffnet werktags von 11 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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Sozialdemokratie von Eisenach bis heute
Die Geschichte der deutschen Sozialdemokratie

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Eisenach zur Zeit des Kongresses 1869
Die Anfangszeit der Sozialdemokratie in Bildern und Illustrationen

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