Der für seine ruhige und ausgleichende Art geschätzte ehemalige Eisenacher Wirtschaftsdezernent und Stadtratsmitglied ist verstorben

Die SPD Eisenach und des Wartburgkreises trauert um Eckhard Lindner, Gründungsmitglied der Eisenacher SPD 1989, Wirtschaftsdezernent, Stadtratsmitglied, vielfach engagierter Bürger, der im Alter von 87 Jahren verstorben ist. Michael Klostermann, Vorsitzender SPD des Wartburgkreises, sowie Susanne Köhler und Matthias Trautner, die Vorsitzenden der Eisenacher SPD, würdigen den verstorbenen Eckhard Lindner als Mann der ersten Stunde nach der Wiedervereinigung Deutschlands für dessen Wirken und Schaffen für die Stadt Eisenach, für die SPD der Region und sein vielfältiges soziales Engagement. Groß war sein Wissen, sein Engagement, er hatte viel zu sagen, viel beizutragen, ein Lautsprecher war Eckhard Lindner nicht.

Foto von Eckard Lindners Ehrung für langjaehrige SPD-Mitgliedschaft
Eckard Lindner wird für langjährige SPD-Mitgliedschaft von Heidrun Sachse geehrt
Foto: Archiv SPD Eisenach

Am 06. Dezember 1989 gründete sich in Eisenach, Im Jugendklubhaus am Karlsplatz, die Ortsgruppe Eisenach der SDP (Sozialdemokratische Partei der DDR). Am 7. Oktober 1989 hatten 43 Männer und Frauen in einem Pfarrhaus in Schwante, Nahe Berlin, die SDP auf dem Boden der damaligen DDR gegründet. Dadurch entstand erstmals seit 1946 wieder eine eigenständige sozialdemokratische Partei (SDP). Zu den 16 Gründungsmitgliedern der Ortsgruppe Eisenach der SDP (später SPD) gehörte Eckhard Lindner, Diplom-Ingenieur im VEB Petkus in Wutha. Der für seine ruhige, fachlich fundierte und ausgleichende Art stets geschätzte in Mecklenburg geborene Mann wurde am 1. Juni 1990 zum hauptamtlichen Beigeordneten und Wirtschaftsdezernenten der Stadt Eisenach gewählt. Am 8. Mai 1990 hatte es erstmals seit 1933 im Osten Deutschlands wieder demokratische Wahlen gegeben. Für den damals 59köpfigen Eisenacher Stadtrat brachte diese Wahl folgendes Ergebnis: CDU 33,3 Prozent (20 Sitze), SPD 25,4 % (15), PDS 12,5 % (7), BfD 7,7 % (5), DA 7,3 % (4), Grüne 6,1 % (4), DSU 1,6 % (1), Neues Forum 1,6 % (1), Bündnis Hofferbertaue 1,4 % (1), BDA 1,1% (1). Eine Fünf-Prozent-Hürde gab es 1990 nicht. CDU, SPD, DA und BFD schlossen sich im Stadtrat zu einer Koalition zusammen. Der Stadtrat bildete per Beschluss sechs Dezernate, die hauptamtlich geführt wurden. Eckhard Lindner führte das Wirtschaftsdezernat. Nach seiner hauptamtlichen Dezernentenzeit gehörte Eckhard Lindner von 1994 bis 2004 dem Eisenacher Stadtrat an. Als ausgleichender ruhiger Pol, als kompetenter Berater. Er fungierte viele Jahre im Vorstand der Eisenacher SPD.

Als überzeugter Demokrat hat er nach dem Abschluss des Städtepartnerschaftsvertrages mit der Stadt Mogilew in Belarus Kontakt zu der dort sich illegal konstituierende sozialdemokratischen Partei aufgebaut, um Unterstützung für demokratische Strukturen zu leisten. Das war ihm eine Herzensangelegenheit. Leider ist das bis heute in Belarus nicht gelungen. Eckhard Lindner half mit, damit Kinder aus Mogilew erlebnistreiche Ferientage in Eisenach verleben konnten, von Firmen, Privatleuten und Parteien finanziert.

Eckard Lindner (li.) beim Verlegen von StolperSteinen - Foto: Archiv SPD Eisenach
Eckard Lindner (li.) beim Verlegen von Stolpersteinen – Foto: Archiv SPD Eisenach

Im Jahr 2009 kam es zur ersten Verlegung von Stolpersteinen, die an Eisenacher Opfer des Nationalsozialismus erinnern. Eckhard Lindner war einer der Paten für die ersten 13 Stolpersteine.

Die Mitgliederversammlungen im SPD-Ortsverein Eisenach- West, seinerzeit in den Gaststätten „Weimarischer Hof“ und „Am Teich“ sowie im „Waldschlößchen“ monatlich stattfindend, bereicherte er stets mit seinem Fachwissen sowie seiner ruhigen Art.

Fotoaufnahme von Eckhard Lindner (in der Mitte sitzend) bei der Stimmgabe beim SPD-Kreisparteitag 2024 in Creuzburg - Foto: Th. Levknecht
Eckhard Lindner (in der Mitte sitzend) bei der Stimmgabe beim SPD-Kreisparteitag 2024 in Creuzburg – Foto: Th. Levknecht

Bis ins hohe Alter nahm er an Veranstaltungen der SPD teil, ergriff auch das Wort. Vor zwei Jahren, im Dezember 2024, wählte er im Amt Creuzburg den neuen Kreisvorstand der SPD-Wartburgkreis mit.

Pionier beim Übergang von der sozialistischen Planwirtschaft in die soziale Marktwirtschaft

In seiner Funktion als Wirtschaftsdezernent ab 1990 war er federführend verantwortlich für die Versorgungs- und Entsorgungssicherheit der Eisenacher Bürgerinnen und Bürger bei den zusammenbrechenden maroden DDR-Wirtschaftsstrukturen und der Schaffung der Voraussetzungen zum Übergang in die soziale Marktwirtschaft. Eckhard Lindner war maßgeblicher Gründer der Eisenacher Versorgungsbetriebe (evb). Er hat es geschafft, privatwirtschaftliche Partner für die gewaltigen finanziellen Investitionen bei der Umstellung von Stadtgas und Fernwärme zu finden. Er hat es mit dem von ihm selbst verfassten Gesellschafter-Vertrag erreicht, dass trotzdem auch in den evb der kommunale Einfluss als Hauptgesellschafter erhalten blieb. Eckhard Lindner war jahrelang im Aufsichtsrat der evb, blieb auch da als kompetenter Ansprechpartner und Berater. Immer in der 2. Reihe, nie den Vorsitz anstrebend.

Ähnlich erfolgreich waren auch die von ihm geschaffenen Strukturen für die Entsorgungssicherheit der Eisenacher Bürger. Er war hatten großen Anteil daran, für die Eisenacher Entsorgungsgesellschaft einen Privatinvestor zu finden, der investiert hat und sich den kommunalen Mehrheitsverhältnissen unterordnete. Daraus sind die USW und der AZV geworden.

Große Verdienste erwarb sich Eckhard Lindner bei der Neuaufstellung der KVG als kommunales Unternehmen für den ÖPNV. Mit dem Amt für Wirtschaftsförderung hatte er eine Struktur geschaffen, mit der er direkten Kontakt zu den Unternehmen in der Umbruchphase zu Beginn der 1990er Jahre hatte.

Die SPD Eisenach und des Wartburgkreises verneigt sich vor Eckard Lindner. Er hat sich um Eisenach und die SPD verdient gemacht.

Th. Levknecht

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